Wachstumsmarkt Skitouren, jetzt auch mit Fersenautomat

War Skitourengehen lange eine Frühjahrsbeschäftigung für meist ältere Frühaufsteher unter den Bergbewohnern, hat sich die „Königsdisziplin“ unter den Wintersportarten in den letzten Jahren zu einem wahren Trend gemausert. Es gibt Gelegenheitstourer, die mit ihren Alpinstiefeln und einer einfacher Rahmenbindung kurze Touren gehen, es gibt aber auch Wettkampftourer/Skirunner, die mit ultraleichter Ausrüstung fast im Langlaufstil bergauf rennen und bergab sehr risikofreudig auf relativ schmalen Ski ohne wirkliche Sicherheitsbindungen wild abfahren, es gibt Skitourer, die mehrtägige Touren durch das Hochgebirge machen, es gibt Skibergsteiger. In vielen Skigebieten gibt es mittlerweile Skitouren-Abende, an denen die Abfahrten z. B. ab 17.00 Uhr für Skitourer und Hütten bis 22 Uhe geöffnet sind, und manchen Sonntag Vormittagen ist bei passenden Schneebedingungen  neben mehr Betrieb als auf der Piste; Skitouren sind in und der Skitouren-Markt boomt.

Eine zunehmend große Zahl von Skitourern hat im Zuge des allgemeinen Fitnesstrends Skitouring als ihren Winter-Sport entdeckt; neben speziellen Ski, Bindungen und Stiefeln gibt es ein sehr großes Angebot an spezieller Bekleidung, Rucksäcken, Brillen, Helmen usw. Insgesamt ist speziell in den letzten Jahren auf dem Ausrüstungsmarkt ein klarer Trend in Richtung Leichtgewicht, Funktionalität aber auch Differenzierung bzw. Spezialisierung erkennbar.

Dynafit hat z. B. mit der minimalistischen Tourenbindung Pintech 49 und dem exklusiv dazu passenden Tourenstiefel DNA PINTECH BY PIERRE GIGNOUX eine extrem leichte Kombination im Angebot, beide Stiefel + Bindungen kommen auf knappe 1100 Gramm Gewicht, allerdings bei einem Gesamtpreis von 2650 € UVP.
Andererseits gibt es auch sehr stabile aber trotzdem sehr bewegliche und aufstiegsgeeignete Kombinationen, die dann aber über sichere Auslösewerte der Kombination Stiefel-Bindung für die Abfahrt verfügen; hier kommt z. B. SALOMON S/Lab Shift MNC Pinbindung, 865 gr, in Kombination mit dem Scarpa Maestrale RS, 1400 gr, auf insgesamt ca. 4500 Gramm Gewicht.
Aktuelle Trends auf dem Skitouren-Markt: http://www.bergundtal.com/?p=8943 .

Pin Bindungen von G3

Pin-Bindungen haben sich generell auf dem Skitourenmarkt durchgesetzt, im Wettkampfsport der Skirunner/Skibergsteiger werden ausschließlich Pin-Bindungen eingesetzt, aber auch außerhalb dieser Speed-Szene sind Pin-Bindungen absolut angesagt; das geringe Gewicht, die hohe Beweglichkeit, der zum „Gehen“ günstige Drehpunkt und die tiefe Position auf dem Ski sind die gewichtigen Vorteile der Pin-Bindung gegenüber der Rahmenbindung, lediglich in puncto Sicherheit hat die Pin_Bindung bisher ihre Schwäche. Gute Pin-Bindungen haben zwar auch schon einen Längenausgleich und Dynafit arbeitet sogar mit einem Drehteller, aber eine wirkliche Sicherheitsauslösung hinten z. B. bei einem Frontalsturz gab es bisher nicht.

Ein interessante Variante der Pin-Bindungen kommt von Trab, einer kleinen italienischen Ski- und Bindungsfirma: Bei der TR 2 Bindung greifen zwei Metallzangen sehr weit außen auf die Ferse und gewährleisten einen sehr stabilen Sitz; allerdings muss natürlich der Schuh dafür eingerichtet sein – den Scarpa Maestrale gibt es in einer Version für diese Bindung, die Sohle muss an der Ferse mit den entsprechenden Inserts versehen sein. Die Bindung verfügt über eine definierte, einstellbare Auslösung am Vorderbacken, einen Anpressdruck zum Längenausgleich am Hinterbacken und wiegt nur 1.160 Gramm pro Paar (inkl. Stopper). Die Trab TR2 gibt es in zwei Versionen, einmal mit Auslösewerten zwischen 7 und 13, einmal mit 5 bis 11. Siehe: http://www.bergundtal.com/?p=4198

Abfahrtsorientierte Pinbindungen mit Fersenautomat

Neben Gewicht und Funktionalität steht der Aspekt der Sicherheit für abfahrtsorientierte Tourenausrüstung, Freeride-Tourer und Variantenfahrer aktuelle auch im Fokus, hier gibt jetzt mittlerweile schon einige Bindungen, die die Pin Technologie mit einem Fersenautomat kombinieren. Im Aufstieg sorgt die Pin-Bindung für einen günstigen Drehpunkt, eine sehr direkte Kraftübertragung und eine große Beweglichkeit, im Unterschied zu einer Rahmen-Tourenbindung muss hier auch nicht bei jedem Schritt der Fersenautomat mitbewegt werden; in der Abfahrt gibt der Fersenautomat mit seinem festen Halt und den definierten Einstellwerten eine hohe Sicherheit. Ambitionierte Tourengänger, die hauptsächlich „Höhenmeter machen“ wollen, verdrehen natürlich bei den Gewichtsangaben dieser Bindungen die Augen, aber für diejenigen, die „nur“ für eine tolle Abfahrt hochsteigen, für die das Freeriden im Mittelpunkt steht oder die den Sicherheitsaspekt hoch bewerten sind diese neuen Bindungen eine interessant Alternative zu den Touren-Rahmenbindungen oder zum Skitragen.
Zur Zeit gibt es 4 Bindungen, die die Pin-Technik vorn mit einem Fersenautomat kombinieren, wobei hier die Salomon Bindung S/Lab Shift MNC und die baugleiche Atomic Shift MNC vollwertige Hybrid-Bindungen sind; eine Pinbindung mit den spezifischen Stärken im Aufstieg und auch eine Alpin-Bindung mit den definierten Z-Werten bis 13 im Fersenautomat und auch mit dem klassischen Sohlenhalter + seitlich auslösenden Armen mit definierten und einstellbaren Z- Werten vorn. Beide Bindungen sind baugleich, beide Firmen gehören ja zum finnischen Armer Konzern und haben hier bei Forschung und Entwicklung gemeinsame Sache gemacht. Die anderen beiden Modelle – Fritschi Tectron und Marker KingPin – sind dagegen nur halbe Hybrid-Bindungen, die Pin-Technik vorn bleibt auch im Abfahrtsmodus aktiv. Der Unterschied macht sich natürlich einerseits in der Sicherheit bemerkbar, andererseits sind die Salomon und Atomic Bindungen dafür etwas schwerer.

Salomon S/Lab Shift MNC

 

Die Salomon S/Lab Shift MNC : Eine vollwertige Hybrid-Bindung; eine Pinbindung mit den spezifischen Stärken und auch eine Alpin-Bindung mit den definierten Z-Werten bis 13 vorn und hinten.
Die S/LAB Shift Bindung von Salomon ist eine Kombination aus Tourentauglichkeit einer Pin-Bindung und der Kraftübertragung einer Alpinbindung – eine Hybridbindung; im Aufstieg wird der Schuh von Pins fixiert, in der Abfahrt übernimmt ein traditioneller Sohlenhalter (wie bei der normalen Alpinbindung) den Stiefel, die Ferse wird vom Fersenautomat, der im Aufstieg zurückfährt, fixiert. Der Wechsel zwischen Walk und Skifunktion geht mit einem Handgriff völlig unproblematisch.“ Salomon hat für diese Bindung den ISPO AWARD Gold 2018 im Segment Snowsports, Kategorie Ski Touring Bindings bekommen.
In der Realität sind es dann allerdings doch2 ½ bzw. sogar 3 Handgriffe (siehe Gleitplatte) , um die Bindung vom Abfahr- (Alpinbindung) in den Gehmodus umzuschalten: Ich muss den Vorderbacken umstellen und damit die Pin-Arme frei schieben, und ich muss am Fersenteil einen Bügel umklappen, um die Skibremse zu fixieren, dann muss ich auch noch den vorderen Hebel hochziehen, um die Pinarme zu fixieren – ansonsten lösen sie vielleicht bei Seitbewegungen im Aufstieg aus  – das ist  übrigens ein Handgriff, der bei allen Pinbindungen fällig ist. Die gleichen Handgriffe sind wieder zum Rückstellen in den Abfahrmodus fällig, dann auch den Pinhebel vorn wieder runterdrücken.
Bevor ich überhaupt mit dieser Bindung in den Schnee gehe, sollte ich aber erst einmal die Gleitpatte vorn auf meinen Stiefel einstellen; im  Abfahrstmodus rutscht die Stiefelsohel – wie bei jeder Alpinbindung – für die Seitwärtsauslsösung über eine Gleitplatte, die ich mit Hilfe seitlicher Stellschrauben auf meine Sohlendicke einstellen kann. Diese Möglichkeit muss ausdrücklich gelobt werden! Die Sohlenstärke , das Profil und die Aufbiegung der Sohlen  ist bei den Tourenstiefel im Unterschied zu den Alpinstiefeln sehr unterschiedlich, die Bindung muss darauf eingestellt werden. Bei vielen PinBindungen ist das nicht möglich, und die Z-Werte, die für die Pinarme vorn eingestellt werden können, werden so schnell nur „Makulatur“; die vorn stark aufgebogene Sohle wird von den eingerasteten Pins eventuell so stark auf die Auflage gedrückt, dass die hohe Reibung die Auslösekraft komplett verändert!
Z-Werte: 6 – 13
Stopperbreiten: 90, 100, 110, 120mm
865 g, 449,95 UVP

Atomic Shift MNC

Die Atomic Shift MNC ist baugleich mit der Salomon S/Lab Shift MNC

 

 

Marker KingPin

Die Marker KingPin ist eine halbe Hybrid-Bindung; vorn arbeitet sie im Walk- wie auch im Abfahrtsmodus mit dem Pin-System, hinten wird im Abfahrtsmodus ein Fersenautomat mit klasisches Halterung auf der Sohle benutzt.Die Umstellung von Walk- in den Abfahrtsmodus funktioniert bei dieser Bindung über den zentralen Hebel zwischen Fersenteil und Pintec-Teil; zum Walkmodus wird der Fersenautomat nach hinten versetzt, bei dem ersten Druck mit der Ferse auf die Stopperauflage wird diese fixiert und ich muss nur noch den Pinhebel vorn auf die Walkstellung hochziehen – los geht’s. Die Bindung verfügt über 2 Steighilfen, die mit Hilfe des Skistocktellers leicht raus- und reingeklappt werden können. Zum Abfahrtsmodus klappe ich den Fersenautomat wieder nach vorn, die Stopper werden wieder entriegelt und ich steppe wie bei einer normalen Alpinbindung mit der Ferse in die Bindung.
Die KingPin gibt es in 2 Versionen: KingPin 13 mit einstellbarer Z-Werten 6-13
und KingPin 10 mit Werten von 5 – 10.
Standhöhe: 21 mm.
Stopperbreiten: 75 – 100 mm, 100 – 125 mm
Gewicht: 750 g, 459 € UVP

 

Fritschi Tectron

Die Fritschi Tecton ist auch eine halbe Hybridbindung – Pins vorn, alpiner Fersenautomat hinten – Und das spezielle – neben der hohen Qualität und Funktionalität + Sicherheit –  an den Fritschi Bindung ist, dass sie  komplett in der Schweiz hergestellt und dann in Reichenbach im Berner Oberland zusammengebaut und geprüft wird – Swiss made. Die Fritschi Tectron ist sehr einfach und intuitiv zu bedienen; für den Walkmechanismus wird der Fersenautomat über einen Hebel nach hinter geschoben, in diesem Hebel steckt auch die 2-stufife Aufstiegshilfe, die gut mit dem Skistock bedient werden kann. Beim genauen Hinschauen erkennt man am Fersenautomat der Fritschi Tecton eine der Spezialitäten dieser Bindung aus dem Berner Oberland: Der Fersenautomat greift im Abfahrtsmodus zusätzlich zur Halterung am Sohlenrand mit den sog, Power Rails – kurze Kunststoffansätze – direkt in die Sohlen-Aussparungen für die Pin-Stifte der Standard-Pinbindungen. Dadurch wird der Schuh seitwärts sehr gut fixiert und der gesamte Fersenautomat konnte kompakt konstruiert werden. Fritschi hat so hier die Pin-Funktionalität beim Schuh genutzt, um eine innovative Lösung zu entwickeln. Durch diese zusätzliche Fixierung der Ferse kann man diese Bindung natürlich auch nur mit Stiefeln benutzen, die die Aussparungen an der Rückseite der Sohle haben; das ist aber bei allen pingeeigneten Tourenschuhen Standard. Eine weitere Spezialität der Tectron-Bindung ist die hohe seitliche Flexibilität der vorderen Bindung: ein schmaler Gleitschlitten verschiebt sich bei Seitwärsbelastungen bis max. 13 mm seitwärts, ohne dass die Bindung auslöst. Erst bei stärkerem Druck klappe ein Pinarm zur Seite, der stiefel wird frei. Der Fersenautomat verfügt auch über eine 9 mm Flexibilität bis es zur Auslösung. Bei einer Frontalauslösung drückt vorn die Stiefelnase gegen einen Block – Release Lever – der sofort die Pinarme öffnet, der Schuh wird vorn auch sofort freigegeben. Der Pintec -Teil der Bindung löst auch im Walkmodus trotz blockierter Klemmung bei großer Krafteinwirkung aus – Fritschi nennt es „Notauslösung im Aufstieg“.
Stopperbügel können bei Bedarf ausgewechselt werden, 80 / 90 / 100 / 110 / 120 mm.
Seitwärtsauslösung vorne und Frontalauslösung hinten einstellbar, Z-Werte 5 – 12
630 g, 534, € UVP