Kaprun 4.0 – eine Seilbahnverbindung vom Ort auf den Gletscher

Kaprun ist gerade dabei, sich noch einmal neu zu erfinden, denn nach der Runderneuerung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums
– 1965 wurde am Kitzsteinhorn Österreichs erstes Gletscherskigebiet erschlossen –
wird jetzt die direkte Seilbahnverbindung vom Ort Kaprun zum Kitzsteinhorn in Angriff genommen.
Die Idee, die beiden Bergbahnen und damit die beiden „Hausberge“ Kapruns seilbahntechnisch zu verbinden und so das Kitzsteinhorn direkt vom Ortszentrum aus erreichbar zu machen, existiert schon seit einiger Zeit; jetzt wurde diese Idee im Zuge der Verschmelzung beider Bergbahnunter- nehmen Gletscherbahnen Kaprun AG und Maiskogel Betriebs AG umgesetzt, eine Investition von 81,5 Millionen Euro.


2015 wurde das Gletscherskigebiet ja ganz neu gestaltet, mit den neuen Bahnen Gletscherjet 3 und 4 wurde der Gletscher ganzjährig direkter und vor allem schneller erreichbar, darüber hinaus wurde der zentrale Skibereich auf dem Gletscher völlig neu strukturiert. Die „alte“ Gratbahn am Bundessportheim wurde ersetzt und damit ein echtes „Nadelöhr“ beseitigt, die neue „Kombibahn“ ermöglicht entweder die Fahrt zur Mittelstation und damit den Zugang zu den Gletscherliften, oder aber die Weiterfahrt bis hoch zum Gletschershuttle. Dadurch können auch Nichtskifahrer zum Kitzsteinhorn ( ( Gipfelwelt 3000 ) kommen, ohne vorher in die „alte“ Gipfelseilbahn umsteigen zu müssen.
Aber die Talstation liegt weiterhin noch 6 km außerhalb von Kaprun.

Jetzt beginnt die 2. Phase des Masterplans Kaprun 4.0: 

Unter der Überschrift „Wir bringen zusammen, was zusammengehört“ geht es 2018 erst einmal mit einer neuen Bahn vom Ortszentrum auf den Maiskogel und dann 2019 von dort hinüber zum Langwiedboden und damit ins Gletscherskigebiet.
Wenn dann 2019 die Dreiseilumlaufbahn „3K Kaprun-Kitzsteinhorn-K-onnection“ fertiggestellt ist, gehören endlich die Parkprobleme im Bereich der bisherigen Aufstiegsanlagen Gletscherjet1/ Panoramabahn mit manchmal langen Anmarschwegen der Vergangenheit an.
Ab Dezember 2019 wird es dann also möglich sein, direkt von Kaprun über den Maiskogel die Gipfelstation am Kitzsteinhorn (3.029 Meter) mit einer 12 Kilometer langen Perlenkette von sechs Seilbahnen zu erreichen. „Die 12 Kilometer lange Panoramafahrt wird nicht nur die längste durchgehende Seilbahnachse, mit 2.261 Höhenmeter wird auch die größte Höhendifferenz in den Ostalpen bequem überwunden“, freut sich Gletscherbahnenvorstand Ing. Norbert Karlsböck.

Bei aller Euphorie über diese neue Direktverbindung zum Gletscher bleibt natürlich weiterhin  ein großer Wunsch: Eine Abfahrt vom Kitzsteinhorn bis hinunter ins Tal! Im ersten Moment nach Veröffentlichung des Seilbahnprojektes sahen wir uns schon auf einer Superabfahrt von über 3000 m Höhe bis auf 800 m runter schwingen; in der Presseerklärung zur Seilbahn Kaprun-Maiskogel-Kitzsteinhorn heißt es nämlich: „ Die neue Verbindung bietet zukünftig nicht nur einen Direkteinstieg vom Ortszentrum über den Familienberg Maiskogel in das Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn, es wird erstmalig auch eine Abfahrt von 3.029 bis auf 768 Meter ins Tal geben“ . Aber 10 Minuten nach unserer naiven Anfrage  „eine durchgehende Abfahrt??kam per e-mail die nüchterne Antwort: „man kann am Kitzsteinhorn die Pisten bis Langwied 1.976 m nützen, dann die Bahn bis zum Maiskogel und dann wieder die Pisten bis zum Ortszentrum von Kaprun. Das Gelände zwischen Langwied und Maiskogel lässt eine Piste nicht zu.“ Aber als Entschädigung bietet die Seilbahnverbindung zwischen Langwied und Maiskogel  dann doch auf jeden Fall ein gewaltiges Panorama.

 

Kitzsteinhorn, Bericht vom 6. Januar 2015

Alles neu macht der Mai – so könnte man die Baumaßnahmen zum 50-Jahre-Jubiläum der Kapruner Gletscherbahnen kurz zusammenfassen. Mit den neuen Bahnen Gletscherjet 3 und 4 wird der Gletscher ab der Saison 2015/16 ganzjährig direkter und vor allem schneller erreichbar, darüber hinaus wird der zentrale Skibereich auf dem Gletscher völlig neu strukturiert.                                                                                                                                            1965 wurde am Kitzsteinhorn Österreichs erstes Gletscherskigebiet eröffnet. Eine Seilbahn mit 3 Sektionen fuhr hoch zum Kitzsteinhorn, von dort ging es zu Fuß durch einen Tunnel durch den Berg runter auf den Gletscher zu den Schleppliften. Zuerst gab es 2 Schlepper, das Angebot wurde dann allmählich erweitert. Bis vom Alpinzentrum zum Gletscher ein Sesselift ( Gratbahn ) gebaut wurde, musste man nach dem Skifahren wieder durch den Tunnel zur Gipfelstation hochgehen, um mit der Seilbahn ins Tal zu kommen. Nach der durch das verheerende Unglück im Tunnel der Bahn zum Alpinzentrum, vor allem aber durch die anfangs sehr zögerliche Ursachenforschung verursachten „touristischen Delle“ in den Jahren 2000/ 01 musste man wieder ganz von vorn beginnen. Die Skifahrer hatten sich verständlicherweise andere Ziele gesucht, denn mittlerweile gab es ja allein in Tirol 5 Gletscherskigebiete -Stubai, Hintertux, Sölden, Pitz- und Kaunertal. In Kaprun versuchte man dann einen Neuanfang, baute vor allem ganz neue Aufstiegsanlagen , um nicht immer wieder an das furchtbare Geschehen erinnert zu werden.                                                                                 Die neuen Bahnen wurden so konzipiert, dass ein „normales“ Ganzjahresskigebiet zwischen 2- und 3000Metern entstand, denn der Klimawandel schlug  natürlich keinen  Bogen um das Kitzsteinhorn. In den vergangenen Jahren hatte sich der Gletscher teilweise dramatisch zurückgezogen, das ursprünglich als Sommerskigebiet geplante Kitzsteinhorn wurde daher immer mehr zu einem „normalen“ Skigebiet. Viele der neu erbauten Liftanlagen – Kristallbahn, Sonnenkarbahnen und Gratbahn – befinden sich unterhalb des eigentlichen Gletschergebietes.  Früher wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, im Winter oben auf dem Gletscher Ski zu fahren – viel zu windig, zu kalt- es gab ja in den anderen Skigebieten unterhalb der Gletscherregion genug Schnee.

 

Eins dieser „alten“ Skigebiete (  Ronachkopf inThumersbach ) erwacht nun wieder aus dem Dornröschen-Winterschlaf. Im vor über 10 Jahren geschlossenen Gebiet kann man wieder Ski – fahren, allerdings nur Tourengänger. Man hat die alte Piste, die mittlerweile fast zugewachsen war, vom Gestrüpp freigeschnitten, die Enzianhütte ( 1350m )ist bei entsprechender Schneelage geöffnet.

Sigrid unterwegs zur "Schneekönigin"
Sigrid unterwegs zur „Schneekönigin“

Auch am Kitzsteinhorn hat man die Möglichkeiten für Tourengänger erkannt und an der Station „ Langwied“ einen Info-Point eingerichtet, der über die aktuelle Schneelage und alpine Herausforderungen informiert.  2 Touren sind von hier möglich: Einmal  „Schneekönigin ( ca. 500 Höhenmeter ) bis zum Alpincenter und „Eisbrecher“ bis zur Bergstation des Maurerlifts ( ca. 800 Höhenmeter. Die „Tourensaison“ beginnt hier in jedem Jahr Ende November mit einem Wettbewerb und einem Testwochenende.

Außerdem findet in jedem Jahr im April der sog. „Kitzsteinhorn EXTREM“ statt. Bei diesem Wettkampf laufen die Athleten vom Salzburger Platz mitten in Kaprun erst einmal hoch bis zur Schneegrenze, und dann mit Ski weiter bis zur Gipfelstation der Gletscherbahn, wobei die komplette Ausrüstung während des gesamten Rennens mitgeführt wird.  Die schnellsten 20 Männer und 8 schnellsten Frauen „dürfen“ dann noch bis zum Gipfel des Kitzsteinhorns aufsteigen – das sind dann insgesamt ca. 17km und rund 2500 Höhenmeter.

Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG; Gesamtansicht Skigebiet Kitzsteinhorn
Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG; Gesamtansicht Skigebiet Kitzsteinhorn

Skifahrer und Snowboarder erwarten am Kitzsteinhorn gut 40 km Piste, dazu 3 Funparks – für jeden Anspruch ist etwas dabei, auch eine der längsten Superpipes in Österreich. Freerider können aus 5 Routen auswählen, allerdings verlaufen 4 Routen unterhalb des Gletschers, enden an der Station Langwied in knapp 2000m. Das ist daher eher etwas fürs Frühjahr. Für Freerider, die es nicht abwarten können, gibt es die „Ice Age“. Man muss am Ende der Magnetköpflifte einen steilen Hang hochkraxeln, startet sozusagen „hinter“ der Station des Schrägaufzugs zur Gipfelstation. Zuerst recht steil, im Mittelteil etwas flacher, endet die Route nach einem zum Schluss wieder steileren Abschnitt an der Talstation der Sonnenkarbahnen. Diese Strecke konnten wir in diesem Herbst Ende Nov. problemlos fahren.

Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG
Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG

Die neuen Bahnen  – Gletscherjet 3 und 4 –  werden zur nächsten Saison den zentralen Skiraum am Gletscher wesentlich verändern, denn sie ersetzen die „alte“ Gratbahn, die so etwas wie ein  “Nadelöhr“ geworden war.  Kitz- und Keeslifte werden zu einem Doppelschlepper zusammengeführt, die Magnetköpflifte auf dem Gletscherplateau werden etwas geändert, vor allem aber wird im Bereich der Gletscherjet 3- und 4-Mittelstation ein neuer Anfängerlift gebaut. Anfänger oder schwächere Skifahrer müssen nun nicht mehr die langen und steileren Gletscherlifte nehmen, um auf das flache Gletscherplateau zu kommen. Die Warteschlangen an der Gratbahn gehören damit der Vergangenheit an, auch die etwas umständliche Prozedur mit der Seilbahn zum Kitzsteinhorn, anschließend mit der Magnetbahn runter zum Plateau,  kann dadurch eingespart werden. Die Stationsgebäude der neuen Bahnen sind bereits im Rohbau fertig, der Skibetrieb wird, um die Bauarbeiten zügig vorantreiben zu können, bereits Ende Mai 2015 eingestellt. Ab Oktober 2015 startet dann der Gletscherjet 3 am Alpincenter als sog. Kombibahn – mit den10-er Kabinenbahnen ist für „Nichtskifahrer“ eine Weiterfahrt mit dem Gletscherjet 4 bis zum Gipfel möglich, die 8-er Sesselbahn wird an der Mittelstation ( am Fuß d. Gletschers ) umgeleitet und bringt Skifahrer so zu den Schleppliften.

Traumhafte weite und freie Gletscherhänge ermöglichen Skifahren schon im Herbst, bei entsprechender Schneelage kommen dann noch Pisten , vor allem aber herrliche Freeridemöglichkeiten bis runter auf knapp 1900 Meter hinzu. Pure Freiheit zwischen 2- und 3000 Metern! Was fehlt, wäre natürlich eine Abfahrtsmöglichkeit bis ins Tal, aber das bleibt wohl noch längere Zeit Zukunftsmusik!?

 

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