Drop-Stitch Kajaks, schnelle und stabile aufblasbare Kajaks im Test

Die Drop-Stitch Technologie fand zu allererst bei den Stand-Up Paddelboards ihren Einzug in den Wassersport, denn ohne ein steifes Luftboard wäre ein Stehen auf dem Board nicht möglich. Und genau diese Technologie wird auch bei den Drop-Stitch Kajaks verwendet, die seit den letzten Jahren immer häufiger auftauchen.

Das Drop-Stitch- Material besteht aus einem Gewebe aus Polyesterfasern, welches die obere und untere Lage aus PVC verbindet. Auf das Gewebematerial wird dann eine einfache oder mehrfache wasser- und luftdichte Beschichtung ( PE, PVC oder Kautschuk ) aufgetragen, damit ist der Einsatz im Wasser möglich. Während des Aufpumpens mit Hochdruck ( mit 15 PSI= 1,03 bar ) dehnen sich die Fäden, so dass die Konstruktion sehr fest und formstabil wird. Ein „normales“ Luftboot wird mit 0,2 bar aufgepumpt, bleibt dadurch natürlich erheblich nachgiebiger.
Die Drop-Stitch Technik ermöglicht bei den Booten dünne Seitenwände und eine insgesamt „schnittige „ Rumpfform mit ausgeformter Bug- und Heckpartie. Dadurch sind diese Kajaks etwas kippliger als die normalen Luftboote mit den Seitenwülsten, lassen sich aber erheblich schneller paddeln.
Aber auch diese Kajaks bleiben Luftboote, haben auf Grund ihrer Luftschläuche einen hohen Auftrieb, schwimmen daher wie auch „traditionelle“ Luftboote eher auf als im Wasser und sind so auch windanfällig.

Wir haben in diesem Sommer 2 der neuen Drop-Stich Kajaks ausführlich getestet, hier die Berichte.

ExtaSea Ultimate TWO

Unser ExtaSea Kajak ist weitgehend baugleich mit dem Advanced-Elements Modell „Airvolution „, ist aber erheblich preisgünstiger (nur EURO 850,- ). Dieser Preiskalkulation sind allerdings ein paar nützliche Kleinigkeiten, die bei den teuren Drop-Stitch Booten Standard sind, zum Opfer gefallen: Fußstützen gibt es nicht, auch eine Bilge ( tiefste Stelle im Bootsboden, in der evtl. vorhandenes Wasser zusammenläuft ) mit Lenzstopfen fehlt, an den Rückenstützen der Sitze gibt es keine kleinen Rucksacktaschen für Kleinteile, die sonst im Bootsinneren herumliegen –Kartenmaterial, Fotoapparat, Butterbrot. Die Verarbeitung ist sonst aber tadellos, macht einen hochwertigen Eindruck. Vor allem der Bootsboden ist sehr gut ausgeformt und verstärkt.

Vor allem im Design unterscheiden sich dieses Boot von den Drop-Stitch Kajaks anderer Hersteller. Das Kajak besitzt zwar auch ein offenes Cockpit, aber durch die nach innen gezogenen Seitenwände ist es nicht so anfällig gegen Spritzwasser beim Paddeln.
Die Maße: Länge: 440cm, Breite: 90cm, Cockpitbreite: 57cm, Gewicht: 20kg. Es erlaubt eine Zuladung von 250kg und bietet ausreichend Platz für zwei Paddler/innen mit Gepäck.
Allerdings vermisst man im Bug- und Heckbereich Staumöglichkeiten, denn durch die relativ niedrigen Seitenwände gibt es hier nur einen sehr beengten Stauraum. Das Gepäck muss daher im Fußraum, d.h. im offenen Cockpit, abgelegt werden. Aufgrund der niedrigen Bauhöhe müssen auch die Sitze ohne Aufpolsterung flach bleiben. Sie besitzen eine hohe Rückenlehne, lassen sich individuelle einstellen und sind überraschend bequem, bieten allerdings kaum Schutz vor ins Boot kommendes Wasser.
Der Boden dieser Drop-Stitch Boote ist zwar so fest, dass man auch im Stehen paddeln kann, er bietet große Vorteile beim Ein- und Aussteigen, eindringendes Wasser macht sich allerdings störend bemerkbar, weil es sich nicht wie in traditionellen Luftbooten im „geriffelten“ Boden sammelt und dann kaum stört. Bei den flachen Sitzkissen sitzt man schnell im Nassen.
Vor allem bei unruhigem Wasser, bei Bugwellen größerer Schiffe, wird deutlich, dass ein Drop-Stitch Boot nicht wie ein „altes“ Luftboot Wellen „geschmeidig“ abreitet, sondern wie ein Brett auf die Wellen schlägt und dadurch leicht Spritzwasser aufnimmt. Im Bug- und Heckbereich gibt es zwar sog. Spritzschürzen, man vermisst aber eine Persenning, die Paddler und auch Gepäck schützen würde. Auf den Spritzschürzen lassen sich mit Bungeeschnüren nur kleine Gepäckteile befestigen.
Leider gibt es bisher nur wenige Drop-Stich Modelle – CALIFORNIA (Verano), ITIWIT (Decathlon), RUSH (GUMOTEX) – mit einer Persenning, die meisten Modelle haben ein offenes Cockpit, Gepäck liegt dann im Fußraum.
Stabile Griffe vorn und hinten erleichtern den Transport ( Umtragen ).
Mit der mitgelieferten Doppelhubpumpe lässt sich das Boot schnell aufpumpen, die verbauten Überdruckventile verringern die Gefahr von Überdruckschäden.
Bei uns ist allerdings nach dem 4. Aufpumpen die Schraubverbindung zwischen Pumpe und Schlauch gebrochen, seitdem pumpen wir mit unserer SUP Pumpe.
Nach dem Gebrauch kann man das Kajak zusammenrollen und platzsparend in einem Rollkoffer verstauen. Das Material ( PVC-Torpaulin ) macht einen vertrauenserweckenden Eindruck, der Unterboden wirkt stabil und haltbar. Gerade in diesem Bereich gibt es große Unterschiede, denn einige Hersteller haben hier, um das Boot nicht zu schwer werden zu lassen, mit Material gespart. Mit dem Ultimate muss man keine Angst vor gelegentlichen Grundberührungen haben.

Insgesamt ein tolles Boot für Paddelausflüge auf Seen und Flüssen. Man ist schnell unterwegs, Ein- und Aussteigen ist durch die Bauweise –offenes Cockpit und Drop-Stitch- Material- kinderleicht, auch nach Ausflügen ins Wasser kann man mit etwas Übung problemlos wieder reinklettern. Durch die werkzeuglos montierbare Finne ist der Geradeauslauf tadellos, zumindest ohne Seitenwind.
Das Boot punktet mit einer sicheren Wasserlage, ist sehr kippstabil und somit auch ideal für Paddeleinsteiger geeignet.

SeaEagle 473RLK RazorLite Pro KT

Das SeaEagle Kajak ist für ein „Luftboot“ ungewöhnlich schmal; die Möglichkeiten der Drop – Stich Technologie sind hier rdaikal umgesetzt: Das Kajak ist mit 56 cm am Rumpf sehr schmal, die Seitenwände sind relativ dünn, das gesamte Boot ist sehr stabil – immerhin kann es bis 15 psi Druck aufgeblasen werden.
Die Sitze sind stabil und lassen sich sehr gut einstellen un ddas Boot verefügt über sehr ganu patzierbare Fußstützen. An Bug und Heck sind stabile Tragegriffe,

Auffallend ist auch die stabile Unterkonstruktion mit starrem Bug- und Hecksysetm, das Wasser wird dadurch sehr gleichmäßig ohne große Verwirbelungen am Bootskörper vorbei geführt.

Das Boot ist durch diese Konstruktion schnell und auch wackelig und – aufgrund der doch relativ hohen und geraden Seitenwände – auch windanfällig, ein Boot für Paddler mit zumindest etwas Erfahrung.

Die Maße: Das Boot ist 4,70 m lang und an der breitesten Stelle 76 cm breit, Innenmaße 452cm x 56 cm.
Es wiegt 20,4 kg das Boot, im Transportkoffer + Pumpe 22,2 kg, komplett mit 2 Paddeln und 2 Sitzen 27 kg, max. Zuladung 340 kg. Es hat 3 Luftkammern – 2 Seitenteile + Boden -, also auch 3 Ventile, im Heck gibt es 2 Lenzverschlüsse.

Das Boot ist sehr umfangreich und top verarbeitet ausgestattet, das macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar:
Preis ca. 1400,- €

Zum Gesamtpaket gehört auch noch eine sehr stabile und leistungsfähige Doppelhubpumpe und ein robuster Rucksack, in den aber die Sitze nur mit viel Geschick und ganz sorgfältig gefaltetem Boot reinpassen. Dann ist aber auch der Rucksack mit 27 kg Gewicht schon eine kleine Herausforderung!

Insgesamt ist das SeaEagle 473RLK RazorLite Kajak ein sehr sportliches Boot; schnell, mit toller Wasserlage, gutem Geradeauslauf (ohne Seitenwind) und sehr robuster Konstruktion. Durch die V Form an Bug und Heck und die festen Hartschalen-Spitzen gleitet das SeaEagle Kajak sauber durchs Wasser. Und letztendlich bleibt trotz der insgesamt 17 kg Gewicht doch der große Vorteil aller ausfblasbaren Boote: Auch das SeaEagle Kajak ist relativ leicht zu transportieren – und das bei seht guter Wasserlage und starken Gleitgenschaften!
Kein Anfänger – Boot, aber für Paddler mit etwas Erfahrung eine interessantes Boot durch die gelungene Kombination von noch geringem Gewicht, hoher Stabilität und beieindruckender Wasserlage bei sehr bemerkenswertem Gleitvermögen.