Obertilliach, ein Wintersportort ohne Trubel

Winter im osttiroler Bergsteigerdorf Obertilliach – Skifahrer, die das Ursprüngliche suchen, werden Obertilliach lieben. Hier im äußersten Zipfel Osttirols gibt es bodenständigen Charme; abseits vom Massentourismus und großem „Rambazamba“wird der Urlauber mit Qualität und echter Gastfreundschaft verwöhnt.

Verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, Viehhaltung, Holznutzung und der Ackerbau haben die Landschaft geprägt und dem Tal seinen unverwechselbaren Charakter verliehen. Obertilliach, auch das „hölzerne Dorf“ genannt, liegt auf 1450m Seehöhe in das Hochtal eingebettet und bietet schon bei der Anreise einen tollen Anblick: Die eng zusammengerückten Häuser, der tief verschneite Talgrund mit den zahlreichen „Schupf´n“ und die beeindruckende Dorfkirche schaffen ein harmonisches Bild.

Dazu passt auch Österreichs einziger noch aktiver Nachtwächter, der hier seine nächtlichen Runden dreht. Wenn man durch die verschneiten Gassen schlendert, fühlt man sich schnell in eine andere Zeit versetzt. Von der Sonne dunkel gebeizte Holzhäuser, das Muhen der Kühe hinter den Holzwänden, die Seilbahn hinter der Dorfkirche- so sah Winterurlaub überall aus, bevor sich immer mehr Skigebiete zu Verbundsystemen zusammengeschlossen haben.
Dann zählt nur noch die Summe der Pistenkilometer. Man übergeht bei diesem Wettstreit um den Titel „ größtes Skigebiet in…“ natürlich den dadurch gestiegenen Skipasspreis, verschweigt auch gern, dass die verschiedenen Skigebiete, die sich zusammengeschlossen haben, oft weit auseinander liegen. Auch in Osttirol gibt es für einige Skigebiete, die teilweise eine gute Autostunde voneinander entfernt liegen, einen gemeinsamen Skipass- der Sinn erschließt sich nur schwer.

Obertilliach hat bisher dem Werben um einen gemeinsamen Skipass widerstanden, das macht sich natürlich vor allem beim Preis bezahlt, ( Tageskarte/ Erw. Euro 48/NS 44,- ). Es gibt auch nach Stunden gestaffelte Preise, weil viele Urlauber morgens in die Loipe gehen und anschließend noch eine Runde Skifahren möchten. Loipe und Lift sind problemlos auf kurzem Weg zu Fuß erreichbar.

Das Skigebiet am Golzentipp bietet für alle Könnensstufen passende Abfahrten, vor allem aber breite Pisten, auf denen man es krachen lassen kann, denn man hat richtig viel Platz. Insgesamt gibt es neben der Seilbahn oben noch zwei weitere Schlepper bis auf 2250m.
Zwei Talabfahrten stehen zur Auswahl -die Dorf- und die Ralsabfahrt- beide führen wieder zur Talstation zurück. Unten im Tal stehen noch zwei weitere Schlepper zur Verfügung, die auch über einen Skiweg mit der Talstation der Kabinenbahn verbunden sind. Egal, wo man startet, alles ist auf Ski erreichbar.

Auch für „off-Piste“-Ausflüge gibt es Platz ohne Ende, freie Hänge über der Baumgrenze, aber auch traumhafte Strecken durch Waldschneisen. Tourengeher finden hier im Lesach-/Gailtal ihr Paradies. Die Tourenziele auf der südlichen Talseite ( Karnischer Kamm ) heißen Reiterkarspitze, Hoher Bösring, Spitzköfele oder Öfenspitze- das Panorama grüßt einen schon morgens beim Blick aus dem Fenster. Auf der anderen Talseite beginnt eine etwas „ gemütlichere“ Tour oberhalb von Kartitsch, das man mit dem Postbus erreicht. Nach dem Dorflift ( St. Oswald) geht es noch einige Höhenmeter hoch auf den Dorfberg ( 2115m) mit einem überwältigen Panoramablick. Wer möchte, kann auch direkt von der Straße (Kartitscher Sattel) über Wiesen, einen Forstweg, Waldschneisen und anschließendes Almgelände in ca. 1 ½ Stunden zum Dorfberg hochsteigen. Der Weiterweg zum Golzentipp ist dann unschwer zu erkennen- in stetigem Auf und Ab geht es dann in ca 1 ½ Stunden über das Pfannegg ( 2248m ) auf den Golzentipp (2317m ). Bei guter und sicherer Schneelage kann man direkt nach Süden über „ Kutteschupfen“ – eine kleine gut sichtbare Gruppe von Heuhütten – und dann an einer Jagdhütte vorbei durch steilen Wald und Waldschneisen abfahren und kommt dann in einem weiten Linksschwungs zum Schlepplift und der Piste nach Obertilliach. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, über weite Hänge direkt zur Bergstation des Skigebietes und dann über die Piste abzufahren.

Darüber hinaus ist das gesamte Tal ein Langlaufeldorado.


Der Dolomitenlauf, Österreichs größter Volkslauf, ein Biathlon-Weltcup, regelmäßige Biathlon- Europacupbewerbe und Langlaufmeisterschaften haben die Loipen um Obertilliach bekannt gemacht. Ole Einar Björndalen hat einige Jahre hier gelebt und trainiert und hat natürlich auch seinen Erfahrungsschatz als Berater beim Bau des Biathlon- und Langlaufzentrums eingebracht.
Auch während unseres Aufenthaltes fand dort ein Wettbewerb, der Austria-Cup ( Österr. Meisterschaften), statt.
Interessant ist auch, dass man als Gast mittwochs seine Treffsicherheit auf den Schießbahnen des Biathlonzentrums demonstrieren kann. Entspannt auf der Matte am Schießstand liegend, trifft man sogar ab und an das Ziel. Wenn man aber den kleinen Anstieg hoch zu den Schießbahnen geschafft hat, ist es mit der Treffsicherheit aber vorbei – jetzt kann man nachvollziehen, warum es bei Biathlonwettkämpfen die Strafrunde gibt.

Im Gegensatz zu vielen Alpentälern, in denen die Loipen mehr oder weniger als „Schneeautobahnen“ verlaufen, bietet das Lesachtal eine ideale „LL-Topographie“. Zwischen 1350 und 1520m schlängelt sich die bestens präparierte Grenzlandloipe von Hollbruck bei Kartitsch über Ober- und Untertilliach bis Maria Luggau über 60km. Landschaftlich sicher eine der schönsten und abwechslungsreichsten Loipen im südlichen Alpenraum. In der Nutzungsgebühr (Euro 11,-) ist auch der Fahrpreis für diePostbuslinie enthalten, man kann also problemlos die gesamte Strecke oder auch Teilstrecken laufen und für den Rückweg den Postbus – die Postbuslinie fährt auch von Kartitsch bis Maria Luggau – nehmen; bequemer geht es nicht.